Springe zum Inhalt

Schematherapie

Die Schematherapie wurde von Jeffrey Young entwickelt. Sie zählt zur dritten Welle der Verhaltenstherapie und ergänzt die klassische kognitive Verhaltenstherapie um Konzepte aus anderen Therapieformen, z.B. tiefenpsychologisch-orientierte Therapie, Gestalttherapie, Hypnotherapie, etc. In der Schematherapie fokussieren wir auf sogenannte "dysfunktionale Schemata", die sich dann ergeben, wenn in der Kindheit zentrale emotionale Grundbedürfnisse (zB nach Bindung und / oder Autonomie etc) nicht gut genug befriedigt werden. Die damit einhergehenden unangenehmen Gefühle des Kindes und die dazugehörigen kognitiven Inhalte, Erinnerungen und Körperempfindungen werden im sich entwickelnden Gehirn in Form von Schemata abgelegt und steuern das Erleben und Wahrnehmen der betroffenen Personen.

Ein Beispiel mag Ihnen diese Inhalte verdeutlichen: Ein kleines Mädchen muss mit Eltern aufwachsen, die selbst sehr instabil sind. Während die Mutter immer wieder für einige Tage verschwindet, ist der Vater aufbrausend und abwertend dem Kind gegenüber. In dem Kind entwickelt sich die Überzeugung, nicht liebenswert zu sein und sich auf niemanden verlassen zu können gleichzeitig mit den im limbischen System eingeprägten Gefühlen von Traurigkeit, Angst und Hilflosigkeit. Im Erwachsenenalter werden diese Schemainhalte (also die genannten Gefühle und Überzeugungen) ständig getriggert, z. B. wenn der Partner nicht erreichbar ist, oder schlechte Laune hat. Die Frau kippt daraufhin in das Verhalten, was sie auch schon als Kind gezeigt hat, um mit den belastenden Situationen fertig zu werden, klammert sich an den Partner und / oder bekommt Wutanfälle, innerhalb derer sie droht, sich etwas anzutun, falls er sie verlassen wolle. Aufgrund dieser Verhaltensweisen hat sie schon mehrere Beziehungen verloren, da die Partner ihre hilflosen Versuche, die Partnerschaft zu halten, auf Dauer als anstrengend empfinden. Das Muster aus maladaptivem Verhalten, Einsamkeit, Traurigkeit, Angst und die Überzeugung, in Beziehungskontexten keine Chance zu haben und nicht liebenswert zu sein, zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben unserer Beispielpatientin.

In unserem Beispielfall sprechen wir über die Schemata der "Verlassenheit / Instabilität" und der "emotionalen Entbehrung" nach Young. In der schematherapeutischen Behandlung stellt es das Ziel dar, der Patientin das Vorhandensein der Schemata und der daraus abgeleiteten Gefühle, Gedanken und Verhaltenstendenzen bewusst zu machen, ihr einen funktionalen Umgang damit beizubringen und im Idealfall: Die Schemata aufzulösen / zu heilen. Dabei gehen wir zum einen so vor, dass wir individualisierte Erklärungsmodelle anbieten, Gedanken hinterfragen, mit neuem Verhalten experimentieren… so wie auch in der kognitiven Verhaltenstherapie. Es hat sich allerdings gezeigt, dass diese Interventionen (besonders bei Patienten mit stark eingeprägten dysfunktionalen Schemata und den damit verbundenen unerträglichen Gefühlen) oft nicht ausreichen, damit jemand tatsächlich einen anderen Umgang mit sich entwickeln kann und sich dementsprechend langfristig besser fühlt. Deshalb arbeiten wir in der Schematherapie mit emotionsaktivierenden Techniken wie z. B. Imaginationsübungen und Stühlearbeit. Diese haben sich als hilfreich herausgestellt, um in den therapeutischen Sitzungen und davon generalisierend auch im "echten Leben" tatsächlich ein anderes Erleben zu ermöglichen. In den genannten Übungen werden die schemaassoziierten Gefühle direkt in's Visier genommen und wir überprüfen im tatsächlichen Erleben (also während der Patient die Gefühle tatsächlich erfährt), welche Versorgung er benötigt, damit sich die Gefühle entspannen und auflösen können. Die so entwickelte Idee einer guten Versorgung hilft dem Patienten im weiteren Verlauf, in Schema-Aktivierungs-Situationen für sich im Sinne einer nachhaltigen Versorgung aktiv zu werden, sein Schema-Geschehen zu beruhigen und sich emotional wieder zu entspannen.

In unserem Beispielfall helfen wir unserer Patientin, zu erkennen, dass es nie gestimmt hat, dass sie nicht liebenswert war. Es ist zwar nachvollziehbar, dass ihr Gehirn diese Informationen und die zugehörigen unerträglichen Gefühle abspeichern musste, weil ihre Eltern für sie ja eine Umwelt bereitgestellt hatten, in denen sie zu diesen Schlüssen und Gefühlen kommen musste. Gleichzeitig kann sie heute als Erwachsene mithilfe der Therapie erfahren, dass ihre Eltern verantwortlich für ihre Aufwachsensbedingungen waren - nicht sie selbst. Sie kann heute die Erfahrung machen, dass sie natürlich Liebe und Fürsorge verdient hat, auch wenn ihre Eltern ihr das nicht geben konnten. Und sie kann erleben, dass sie sich besser fühlt, wenn sie sich diese neuen, gesunden Inhalte bewusst macht, statt ständig die alten Bedingungen zu aktualisieren.

Die Therapeuten spielen in diesem Veränderungsprozess eine sehr aktive Rolle. Patienten in der Schematherapie bekommen maximal viel Unterstützung, zum Beispiel in Rollenspielen, in denen der Therapeut die Position der neuen, gesunden Botschaft einnimmt.

Wenn Sie mehr über Schematherapie erfahren wollen, können Sie sich beispielsweise über die Homepage des Instituts für Schematherapie in Frankfurt informieren (https://www.schematherapie-frankfurt.de/). Wenn Sie gerne ein Buch zum Thema lesen möchten, empfehle ich von Eckhard Roediger das gut lesbare Patientenbuch "Raus aus den Lebensfallen". Eckhard Roediger leitet das frankfurter Schematherapieinstitut.